Intraoperative Komplikationen
Intraoperative Komplikationen werden massgeblich durch die gewählte Operationstechnik definiert. Beim Fettabsaugen mittels Vibrationskanülen oder der Wasserstrahltechnik sind sie aufgrund der besonderen Schonung des Gewebes relativ selten.
Gefässverletzungen kleiner Gefässe im Unterhautfettgewebe können theoretisch bei jeder Fettabsaugung vorkommen. Meistens handelt es sich dabei um Venen, da Arterien eine viel dickere und stabilere Wand haben. Allerdings sind sie bei korrekter Anwendung der Tumeszenz-Anästhesie und der Verwendung stumpfer Vibrationskanülen äusserst selten und bleiben in der Regel folgenlos. Noch seltener sind sie bei der Wasserstrahltechnik, da diese Technik zu einer geringeren mechanischen Belastung des Bindegewebes führt.
Blutungen, die aufgrund der Einnahme blutverdünnender Medikamente (insbesondere nichtsteroidale Antirheumatica vom Aspirin-Typ [z.B. Acetylsalicylsäure]) entstehen, sind dagegen deutlich häufiger. Obwohl es sich dabei in der Regel nicht um bedrohliche Blutungen handelt, sollten dennoch alle Arten von blutverdünnenden Medikamenten eine Woche (besser 10 Tage) vor dem Eingriff abgesetzt werden. Ob und in welchem Rahmen das in Ihrem individuellen Fall möglich oder sinnvoll ist, besprechen wir gerne mit Ihnen anlässlich der Erstkonsultation.
Die Verletzung kleinster Hautnerven ist, im Gegensatz zur Verletzung grosser Nerven, eine relativ häufige Komplikation. Sie führt normalerweise zu einer vorübergehenden Taubheit oder einem Missempfinden in der betroffenen Region und verschwindet meist nach wenigen Wochen von selbst wieder. Bei ausgeprägten postoperativen Gefühlsstörungen kann die Nervenregeneration mit Vitamin-B-Präparaten beschleunigt werden.
Die Bauchdeckenperforation ist die grösste und am meisten gefürchtete intraoperative Komplikation beim Fettabsaugen. Sie entsteht dann, wenn der Operateur die Absaugkanüle durch die Bauchdecke in den Bauchraum stösst. Unter Tumeszenz-Lokalanästhesie ist dieser Missgriff kaum möglich, da die Bauchdecke durch die Lokalanästhesie nicht mit betäubt wird und daher die normale Schmerzempfindung im Muskelgewebe erhalten bleibt. Es gibt denn auch unseres Wissens keine Berichte über Bauchdeckenperforationen unter Tumeszenz-Lokalanästhesie. Unter Voll- oder Teilnarkose hingegen ist diese Komplikation aufgrund fehlender Schutzreflexe und Schmerzäusserungen des Patienten deutlich wahrscheinlicher, als bei einem wachen Patienten unter Tumeszenz-Anästhesie; ein weiterer Grund, weshalb wir das Fettabsaugen unter Voll- oder Teilnarkose ablehnen. Bei Vorliegen einer Bauchdeckenhernie oder einer ausgeprägten Rektusdiastase (Auseinanderklaffen der geraden Bauchdeckenmuskulatur) ist aber auch unter Tumeszenz-Lokalanästhesie eine Perforation theoretisch möglich. Bei der Erstbesprechung suchen wir daher gezielt nach solchen Ausstülpungen und lehnen bei Vorhandensein jeglichen Eingriff im Bauchgebiet ab.
